21 | 10 | 2019
Vorbericht HC Sulzbach-Rosenberg - SV 08 Auerbach I
Ein Derby ist ein Derby ist ein Derby - und am liebsten mit dem Nachbarn

Nachdem die Handballer des SV 08 Auerbach am vergangenen Wochenende auf ihr Heimspiel gegen den ASV Cham verzichten mussten, kommt es an diesem Samstag zum, von Vielen mit großer Vorfreude erwarteten, Derby beim Landkreis- und Tabellen-Nachbarn HC Sulzbach-Rosenberg. Mit drei Siegen in den ersten vier Partien gut in die Saison gestartet, musste der Bayernliga-Absteiger zuletzt eine herbe Niederlage bei der HSG Lauf/Heroldsberg hinnehmen und will sich nun vor eigenem Publikum rehabilitieren. Anpfiff in der Krötensee-Halle ist um 18:30 Uhr.

Es sind vor allem die Derbys, die im Handball den größten Reiz ausmachen. Dabei ist es unerheblich, in welcher Liga man sich gerade bewegt. Freuten sich die Auerbacher in der Zeit ihrer Drittligazugehörigkeit auf Spiele gegen die bayerischen Teams, so standen in der Bayernliga immer die oberpfälzischen Gegner ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Doch kaum ein anderes Derby elektrisiert Spieler und Fans seit Jahren mehr, als das an diesem Wochenende nach langer Zeit wieder einmal anstehende Aufeinandertreffen der beiden Landkreis-Nachbarn.
Wenn am Samstag der HC Sulzbach-Rosenberg den SV 08 Auerbach in der Krötensee-Halle empfängt, werden auf beiden Seiten intensive Erinnerungen wach. Sei es der vor vielen Jahren als SG Auerbach-Sulzbach gemeinsam errungene Bayernliga-Titel der A-Jugend, seien es die immer spannenden Partien in der Landes- oder der Bayernliga, oder seien es die stimmungsgeladenen und manchmal auch überfüllten Tribünen beider Hallen. Daran wird sich vermutlich auch in dieser Runde nicht viel ändern, auch wenn nach Jahren des Höhenfluges beide Vereine wieder etwas kleinere Brötchen backen. Ähnlich wie beim letzten Aufeinandertreffen in der Saison 2014/2015 liegen die Saisonziele beider Teams weit auseinander, nur diesmal mit geänderten Vorzeichen. Während Auerbach damals auf dem Weg zurück in die 3. Liga war und diese ausgerechnet in der Krötensee-Halle vorzeitig erreichte, kämpften die Herzogstädter in jener Saison um den Klassenerhalt. In der aktuellen Saison will Auerbach nach einem weiteren Umbruch vor allem die Liga halten, während Sulzbach als Bayernliga-Absteiger das obere Tabellenviertel anvisiert und eine Platzierung knapp hinter den Top-Favoriten aus Heidingsfeld, Ingolstadt und Regensburg für realisierbar hält.
Diese Zielsetzung ist sicher nicht zu hoch gegriffen, denn mit Ausnahme der Tschechen Martin Broz und Spielertrainer Pavel Krizek, dessen Abgang schon länger feststand, sowie Stefan Ströhl, der aus beruflichen Gründen etwas zurückstecken muss, blieb das Team vollständig beisammen, lediglich ergänzt durch „Heimkehrer“ Linus Brockstedt. Seine Präsenz am Kreis, vor allem aber seine Abwehrstärke sollen den Herzogstädtern auch in der Landesliga weiterhelfen. Es sind die Routiniers, die auch in dieser Runde wieder das Rückgrad der Mannschaft bilden sollen. Allen voran Spielmacher Jiri Smolik, Linkshänder Michael Waitz, Rechtsaußen Marco Forster und Torhüter Max Lotter. Daneben stehen dem neuen Trainergespann Christian Rohrbach und Oliver Ott, beides Sulzbacher Urgesteine, mehrere gute Alternativen zur Verfügung. Gerade auf der Spielmacherposition werden diese aktuell benötigt, denn Jiri Smolik kann aufgrund einer Verletzung voraussichtlich erst zur Rückrunde wieder ins Spielgeschehen eingreifen. Allerdings kann der ehemals in der Auerbacher Jugend als Kreisläufer ausgebildete Daniel Luber inzwischen sehr gute Leistungen als Mittelmann vorweisen. Ähnliches lässt sich über Jason Mignon sagen, der alle Jugend-Teams des HC durchwanderte und danach mehrere Jahre eine Ausbildung im Handball-Internat in Eisenach genoss. Nach dem Abgang von Daniel Heimpel wurde bereits im Vorjahr die Torhüterposition mit dem aus Amberg gekommenen, jungen und ehrgeizigen Moritz Marx besetzt. Er kann nun nicht nur auf die Erfahrungen aus einer Saison Bayernliga, sondern, nachdem er auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, auf Einsätze im Nationalteam der USA zurückblicken. Um dieses Gerüst herum sollen in erster Linie junge und talentierte Spieler aus den eigenen Reihen ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen.
Es war also nicht nötig, nach teueren Verstärkungen zu suchen, eine gesunde Einstellung, die beim HC in den vergangenen Jahren nicht immer vorherrschend war. Dem neuen Konzept kam auch entgegen, dass der Spielplan es zu Beginn der Runde gut mit dem HC meinte und ihm vier Heimspiele am Stück präsentierte. Nach einem guten Start mit zwei Siegen gegen den TV Helmbrechts und den TV Münchberg kam es zu einem ersten kleinen Rückschlag, als man gegen Aufsteiger MTV Stadeln knapp mit 30:31 verlor. Nach dem Sieg gegen einen weiteren Aufsteiger (HC Forchheim) bewegte man sich am vierten Spieltag genau in der anvisierten Tabellenregion, punktgleich hinter Lauf und Regensburg auf Rang Drei. Doch bereits das erste Auswärtsspiel brachte eine deutliche Ernüchterung, denn im Spitzenspiel bei der HSG Lauf/Heroldsberg setzte es am vergangenen Wochenende eine deftige 32:22 Niederlage, die durchaus noch höher ausgefallen wäre, wäre nicht Max Lotter mit einer sensationellen Leistung über sich hinaus gewachsen. Während Auerbach spielfrei um einen Platz nach oben kletterte, rutschte der HC ab auf Rang Sieben, steht aktuell nur eine Position vor den Bergstädtern und will sich nun vor eigenem Publikum rehabilitieren.
„Sulzbach hat ein ausgeglichen besetztes Team, eine sehr gefährliche rechte Seite, mit Jason Mignon einen torgefährlichen Mittelmann und sehr gute Torhüter“ analysierte Matthias Schnödt den kommenden Gegner. Es wird schwer für den SV, zumal Volker Hackenberg und Schnödt ausfallen und Alexander Hofmann fraglich ist. Zumindest kann Schnödt wieder auf Sebastian Bürger und Maxim Pankraz zurückgreifen. Dennoch sieht der Trainer den HC klar im Vorteil – mit einem kleinen „Aber“. „Wir freuen uns auf ein spannendes Spiel und auf eine gut gefüllte und stimmungsvolle „Kröte“. Sulzbach ist eindeutig der Favorit, aber es ist ein Derby und da kann bekanntlich alles Mögliche passieren.“
Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 20. Oktober 2017 um 07:24 Uhr